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Wer Brot im Supermarkt anstatt beim Bäcker kauft, sollte die Unterschiede kennen. Bei manchen Verbrauchern steht gar die Gesundheit auf dem Spiel.
Dortmund – Die Deutschen lieben ihr Brot. Im Jahr 2023 kauften Kunden hierzulande laut dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks insgesamt über 1,6 Millionen Tonnen des Gebäcks. Doch die Qualität variiert stark. Das Supermarkt-Brot kann nicht mit den frisch zubereiteten Waren beim Bäcker mithalten – vereinzelt birgt es gar potenzielle gesundheitliche Risiken.
Supermärkte und Discounter wie Aldi, Lidl oder Rewe bieten in ihren eigenen Theken Backwaren aller Art an. Dazu zählen neben Laugenstangen, Donuts oder Brötchen auch verschiedenste Brotlaibe. Ein schneller Griff mit der Zange in das jeweilige Fach, die Ware in die Tüte und schon hat das Brot den Besitzer gewechselt.
Das Supermarkt-Gebäck erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit: 24 Prozent der Verbraucher kaufen ihr Brötchen am liebsten an den Selbstbedienungs-Regalen in den Supermärkten und Discountern, belegt eine Studie der Marktforschungsberatung MafoWerk.
Die Gründe liegen auf der Hand: Kaum lange Schlangen und die im Vergleich zu Handwerksbäckereien häufig unschlagbaren Niedrigpreise machen das Supermarkt-Angebot für viele attraktiv (mehr News zu Supermärkten und Discountern bei RUHR24).
Doch was viele Verbraucher nicht wissen: Das Brot aus dem Supermarkt oder Discounter ist nicht mit viel Liebe hergestellt, sondern das Resultat von Fließband-Produktionen aus ganz Europa. Die „Teiglinge“ landen tiefgekühlt bei den Supermarkt-Ketten und werden dort nur aufgebacken oder aufgetaut. Das unterscheidet sie von traditionellen Handwerksbäckereien – diese stellen oftmals noch alles selbst her und lassen dem Teig die nötige Zeit zur Gärung.
Das ist bei der Billigware im Supermarkt anders: Damit sie lange haltbar sind und auch nach einiger Zeit noch einen schmackhaften Eindruck vermitteln, ist das Brot mit künstlich hergestellten Enzymen versehen. Bis zu neun Wochen könne das Gebäck Experten zufolge dadurch frisch bleiben, berichtet der rheinland-pfälzische Radiosender RPR1.
Der Vorteil der Supermärkte und Discounter: Dass ihr Gebäck Enzyme enthält, müssen sie nicht auf der Zutatenliste kenntlich machen. In manchen Broten sind bis zu 250 Enzyme enthalten, die für ein gutes Volumen, eine schnellere Reifung des Teigs und für eine schöne Kruste sorgen, berichtet der NDR.
Diese Enzyme und Zusatzstoffe, von denen in manchen Broten bis zu 250 verschiedene enthalten sein können, haben es aber mitunter in sich. Bei bestimmten Verbrauchern können sie gesundheitliche Probleme verursachen, berichtet der Merkur. Wer beispielsweise einen Reizdarm hat, kann durch die Enzyme Bauschmerzen und Verdauungsprobleme bekommen. Insbesondere sogenannte FODMAPs können dafür ursächlich sein.
FODMAP steht für „Fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide and Polyole“. Es handelt sich dabei um Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen und im Dünndarm von manchen Menschen schlecht resorbiert, also in die Blut- oder Lymphbahn weitergeleitet, werden.
Quelle: Münchener Institut für Ernährungsmedizin
Abgesehen von den gesundheitlichen Risiken für manche Verbraucher haben die Billigprodukte bei Supermärkten und Discountern auch ökonomische Auswirkungen. Nach Angaben des NDR haben es traditionelle Handwerksbäckereien heutzutage immer schwerer, sich gegen Massenware zu behaupten – auch wenn diese inzwischen selbst häufig auf angelieferte Fertig-Backmischungen setzen.
Die günstige und schnelle Produktion der Teiglinge für Supermärkte und Discounter und der damit verbundene niedrigere Preis sorgt bei vielen Bäckereien für einen Wettbewerbsnachteil. Das belegen auch die Statistiken. Laut dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks sank die Zahl der Betriebe zwischen 2009 und 2019 von rund 15.000 auf nur noch etwa 10.500.
Hinweis: Dieser Artikel wurde am 17.05.2024 erstmals veröffentlicht und anschließend aktualisiert.
2026-02-07T07:48:18Z