BLUTHOCHDRUCK SENKEN: WARUM DARF DER UNTERE WERT NICHT ZU NIEDRIG SEIN?

Blutdruck

Bluthochdruck senken: Warum darf der untere Wert nicht zu niedrig sein?

Nicht immer ist ein sehr niedriger Blutdruck besser. Studien belegen gar, dass das Herz-Kreislauf-Risiko mit einem zu niedrigen diastolischen Wert steigt.

Der Blutdruck kann viel über die Gesundheit, insbesondere die Herz-Kreislauf-Gesundheit, eines Menschen aussagen. Gemessen wird er mit der Systole und der Diastole, also dem oberen und unteren Blutdruckwert. Laut der Deutschen Herzstiftung fließt das Blut nämlich nicht gleichmäßig, sondern wird vom Herz stoßweise durch den Körper gepumpt. Dabei beschreibt die Systole den maximalen Druck, mit dem die Herzmuskulatur das Blut in die Hauptschlagader befördert. Die Diastole hingegen zeigt den niedrigsten Druck in der Entspannungsphase vor dem nächsten Pumpstoß.

Dauerhaft zu hohe oder zu niedrige Blutdruckwerte können schädlich sein und zu Organschäden führen. Von Bluthochdruck wird laut der Deutschen Herzstiftung ab 140/90 mmHg gesprochen. Hier sind beide Werte, der obere und der untere, erhöht. Was ist aber, wenn der untere Blutdruckwert, also die Diastole, bei einer Person mit Bluthochdruck zu niedrig ist? Die Ergebnisse der sogenannten SPRINT-Studie aus dem Jahr 2015 zeigen, dass es Untergrenzen für den diastolischen Blutdruckwert geben sollte. Bei zu starkem Absinken des Wertes kann es nämlich gefährlich werden. Warum?

Zu niedriger diastolischer Blutdruckwert erhöht kardiovaskuläres Risiko

Die 2015 veröffentlichte SPRINT-Studie – die Abkürzung steht für „Systolic Blood Pressure Intervention Trial“ – hat sich mit den optimalen Blutdruckwerten befasst. Dabei hat sich laut herzmedizin.de gezeigt, dass eine „aggressive systolische Blutdrucksenkung“ auf unter 120 mmHg bei Bluthochdruck-Patientinnen und Patienten das Risiko für Herzinsuffizienz oder „kardiovaskulär bedingten Tod“ senken kann. Aber: Die durch die Blutdruck-Medikamente bedingte gleichzeitige starke Senkung des diastolischen (unteren) Blutdruckwertes ist dabei eher schädlich.

Ein starker Abfall der Diastole erhöht demnach das Risiko für einen „kardiovaskulär bedingten Tod“ durch Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Erkrankung der Herzkranzgefäße und mehr. Negative Folgen eines solchen Blutdruckwertabfalls wurden bereits in einer Auswertung der ARIC-Kohorte festgestellt, bei der über 15.700 Menschen 21 Jahre lang beobachtet wurden. Personen, die seit Beginn dieser Kohorte einen sehr niedrigen diastolischen Wert aufwiesen, hatten ein bis zu 1,5-fach höheres Risiko für eine koronare Herzerkrankung mit Todesfolge.

Die Entwicklung einer Herzerkrankung scheint gemäß der Auswertung der ARIC-Kohorte dann am wahrscheinlichsten, wenn der obere Blutdruckwert hoch und der untere Wert niedrig ist. Das dabei entstehende Ungleichgewicht könne das Herz schädigen. Eine Erhöhung des Schlaganfallrisikos hingegen wurde nicht erkennbar.

Unterer Blutdruckwert: Wie hoch sollte er sein?

Wie gefährlich ein zu niedriger diastolischer Blutdruckwert für Menschen mit Bluthochdruck sein kann, erklärte auch Professor Bernhard Krämer, Direktor der V. Medizinischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga, 2017 im Deutschen Ärzteblatt. Er bezieht sich dabei auf die Wirkung einer Diastole von weniger als 70 mmHg. Ein so niedriger unterer Wert sei bei Hochdruckpatienten häufig mit einem erhöhten Pulsdruck und einer höheren Gefäßsteifigkeit verbunden.

Untersuchungen haben Krämer zufolge gezeigt, dass es in solchen Fällen zu häufigeren Klinikeinweisungen wegen einer Herzinsuffizienz gekommen und auch die Anzahl der Todesfälle gegenüber Werten zwischen 70 und 80 mmHg gestiegen ist. Das niedrigste Risiko besteht demnach bei einem mittleren Blutdruckwert von 75 mmHg.

Ist ein zu niedriger unterer Wert immer schädlich?

Der Frage, ob ein niedriger unterer Blutdruckwert immer schädlich ist, hat sich Professor Walter Zideks in einem Beitrag auf Springer Nature angenommen. Der Facharzt der Medizinischen Klinik für Nephrologie an der Charité Berlin sieht die Problematik eher in der erhöhten Blutdruckamplitude. Seiner Meinung nach ist der niedrige diastolische Wert nicht schädlich, wenn gleichzeitig auch der systolische Wert unter 120 mmHg liegt. Vereinfacht gesagt: Sind beide Werte (zu) niedrig, ist dies unproblematisch, das Krankheitsrisiko steigt aber mit einer größeren Diskrepanz zwischen einem erhöhten oberen und einem zu niedrigen unteren Blutdruckwert.

Unterer Blutdruckwert zu niedrig: Beeinflusst er die kognitiven Fähigkeiten von Bluthochdruck-Patienten?

Eine Forschungsgruppe um Chao Jiang vom Department of Cardiology des Beijing Anzhen Hospitals in Peking untersuchte 2023, ob sich durch einen niedrigen unteren Blutdruckwert die kognitiven Fähigkeiten von Hochdruckpatienten verschlechtern können. Die kurze Antwort laut der Deutschen Hochdruckliga: Nein, ein niedriger diastolischer Wert kann sogar positiv sein.

Denn: Ein niedriger diastolischer Wert kann den Blutfluss im Gehirn auch bei Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck nicht beeinflussen, selbst wenn diese unter strenger Medikation stehen. Im Gegenteil konnte die Forschungsgruppe sogar beobachten, dass der Blutfluss besser wurde, wenn der diastolische Wert unter oder gleich 70 mmHg lag. Das Fazit: Die kognitiven Fähigkeiten leiden nicht, wenn eine intensive Blutdruckkontrolle vorgenommen wird oder der untere Blutdruckwert zu niedrig ist.

Übrigens: Menschen, bei denen ein Risiko für einen zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck bekannt ist, sollten regelmäßig ihre Werte ermitteln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Blutdruck in der Arztpraxis meist höher ausfällt als bei einer Messung zu Hause. Gesunde Ernährung und viel Bewegung kann Blutdruckabweichungen effektiv entgegenwirken.

2026-02-25T10:16:58Z