Hoffnung aus Bergkamen
Bayer produziert den Wirkstoff Finerenon in Bergkamen. Dafür hat der Konzern kräftig in den Standort investiert. Die EU-Zulassung für Herzinsuffizienz-Patienten steht nun kurz bevor.
Bergkamen – Das Herz ist zu schwach. Es ist nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Für die Betroffenen kann das lebensgefährlich werden. Jetzt gibt es aber neue Hoffnung für viele von ihnen – und die kommt aus Bergkamen
Europaweit leben circa 15 Millionen Menschen mit einer Herzinsuffizienz (HF), weltweit sogar 64 Millionen. Sie ist die häufigste Ursache für einen Krankenhausaufenthalt bei Menschen über 65 Jahren. Das belastet die europäischen Gesundheitssysteme laut Schätzungen mit jährlich rund 29 Millionen Euro, heißt es in einer Pressemitteilung des Pharmakonzerns Bayer. Und nicht allen kann geholfen werden: Die Sterblichkeitsrate der Patienten ist hoch, höher als bei den häufigsten Krebserkrankungen.
Die Bayer-Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Leverkusen ist die Muttergesellschaft eines Agrarchemie- und Pharmakonzerns mit ingsesamt rund 93 000 Mitarbeitern. Eines der bekanntesten Produkte des Unternehmens ist das Kopfschmerzmittel Aspirin. Vor 20 Jahren übernahm Bayer die unter anderem in Bergkamen ansässige Schering-AG für fast 17 Milliarden Euro. Das Supply Center Bergkamen ist der heute größte Standort der Bayer AG zur Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe mit mehr als 1600 Mitarbeitern.
Knapp die Hälfte der Betroffen hat den Angaben zu Folge eine linksventrikuläre Auswurfleistung von unter 40 Prozent. Das bedeutet, ihre linke Herzkammer, die als Pumpe das frische, sauerstoffreiche Blut in den Körper schickt, schafft die notwendige Leistung einfach nicht. In der Folge bekommen Organe und Muskeln zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Das kann zu Müdigkeit, Schwindel und Schwäche, zu Wasseransammlung in Beinen, Bauch oder Lunge und somit zu Atemnot führen.
Häufig gehen chronische Nierenerkrankung, Bluthochdruck und Vorhofflimmern mit der Herzinsuffiziens einher. Und noch schlimmer: Das Risiko einer gefährlichen Herzrhythmusstörung und damit eines plötzlichen Herztodes nimmt massiv zu. Etwas dagegen tun lässt sich zurzeit nur schwerlich, die zugelassenen Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Das will die Bayer AG ändern.
Die Entscheidung zur Zulassung in der EU wird in den nächsten Tagen erwartet.
Bayer AG
Seit knapp drei Jahren lässt der Pharmakonzern an seinen Standorten Bergkamen und Wuppertal den Wirkstoff Finerenon produzieren und hat dafür kräftig in das Werk Supply Center Bergkamen investiert. Das neue Medikament, das auf einen bestimmten Rezeptor im Körper wirkt, der bei Herz- und Nierenerkrankungen eine wichtige Rolle spielt, wird dabei schon in einigen Ländern außerhalb der EU unter den Namen Kerendia oder Firialta verkauft. Es ist weltweit in über 95 Ländern zugelassen, darunter in China, Europa, Japan und den USA. Dort wird es hauptsächlich bei Erwachsenen eingesetzt, die an einer chronischen Nierenerkrankung und gleichzeitig Typ-2-Diabetes leiden.
Studien haben die Vorteile von Finerenon darüber hinaus für das Herz jedoch hinlänglich belegt – besonders bei Menschen mit Herzschwäche, deren Herz noch mindestens 40 Prozent seiner Pumpleistung hat. In den USA und Japan ist das Medikament daher gleichfalls für die Behandlung dieser Patienten zugelassen, in weiteren Ländern wie China wird die Zulassung geprüft.
Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat jetzt auch die Zulassung von Finerenon (Kerendia) zur Behandlung von Erwachsenen mit Herzinsuffizienz empfohlen. Die Entscheidung der Europäischen Kommission zur Zulassung in der EU wird in den nächsten Tagen erwartet, teilt die AG mit.
2026-02-06T17:24:28Z