WAS DIE MENTALE GESUNDHEIT MIT HERZINFARKTEN ZU TUN HAT

Jährlich sterben fast 120.000 Menschen an den Folgen einer koronaren Herzkrankheit in Deutschland – wobei das akute Koronarsyndrom, kurz ACS genannt, eine wesentliche Ursache darstellt. Dass es klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen gibt, ist seit Langem bekannt. Nun zeigt eine Studie, dass psychische Erkrankungen ebenfalls eine Rolle bei Herzinfarkten spielen könnten.

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Wie stark ist der Einfluss der Psyche auf das Herz?

Doch was genau hat es mit dem sogenannten akuten Koronarsyndrom auf sich? Dieser medizinische Sammelbegriff umfasst plötzlich auftretende, gefährliche Herzprobleme, vor allem den Herzinfarkt, sowie akute Brustschmerzen, die durch eine verminderte Durchblutung des Herzens entstehen.1 Solche Ereignisse zählen, wie bereits zuvor erwähnt, zu den häufigsten und schwerwiegendsten Herznotfällen.2

Allgemein bekannt ist, dass eine frühzeitige Erkennung und Behandlung belastender Faktoren wie Bluthochdruck die Wahrscheinlichkeit für akute Herznotfälle wie einen Herzinfarkt deutlich senkt. Weniger bekannt ist jedoch, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen häufiger zusätzliche gesundheitliche Probleme haben, die das Herz belasten können. Ziel der Studie war es daher zu untersuchen, ob psychische Erkrankungen mit einem erhöhten Risiko für ein akutes Koronarsyndrom – also Herzinfarkt und ähnliche Notfälle – verbunden sind.3

Über 22 Millionen Teilnehmer untersucht

Dabei handelt es sich nicht um eine einzelne neue Untersuchung, sondern um eine große Zusammenfassung bereits vorhandener Studien. Die Forscher werteten 25 frühere wissenschaftliche Arbeiten aus, in denen der Zusammenhang zwischen psychischen Erkrankungen und akuten Herznotfällen untersucht worden war.

In die Analyse flossen Daten von 22.048.504 Menschen ein. Zudem wurden die ausgewerteten Studien über viele Jahre hinweg durchgeführt und stammen aus dem Zeitraum von Januar 1966 bis Oktober 2021. Um sicherzugehen, dass es keine Unstimmigkeiten gab, wurde diese in einem sogenannten Konsensverfahren geklärt. Das bedeutet, dass alle Studien mehrfach und unabhängig voneinander geprüft wurden. Zusätzlich wurden unterschiedliche Einschätzungen gemeinsam geklärt, ehe man eine Studie in die Auswertung aufgenommen hat. Wichtig zu erwähnen ist: Es wurden nur Studien berücksichtigt, in denen die psychische Erkrankung bereits vor dem Herzereignis ärztlich festgestellt worden war.

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Bis zu dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit für akute Herznotfälle

Die Auswertung zeigte, dass mehrere psychische Erkrankungen mit einem deutlich erhöhten Risiko für akute Herznotfälle assoziiert waren. Depressionen waren mit einem um 40 Prozent erhöhten Risiko für ein akutes Koronarsyndrom verbunden. Bei Angststörungen lag die Wahrscheinlichkeit sogar um 63 Prozent höher. Auch bei Schlafstörungen zeigte sich ein klarer Zusammenhang: Betroffene waren mit einem um 60 Prozent erhöhten Risiko für akute Herznotfälle konfrontiert.

Am deutlichsten zeigte sich der Zusammenhang bei Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung. In dieser Gruppe traten akute Herznotfälle wie Herzinfarkte fast dreimal so häufig auf. Anders sah es bei bipolaren und psychotischen Erkrankungen aus – hier reichten die vorhandenen Daten nicht aus, um einen verlässlichen Zusammenhang zu belegen.

Warum mentale Gesundheit auch fürs Herz wichtig sein kann

Schaut man sich die Ergebnisse der Studien an, deuten sie darauf hin, dass psychische Erkrankungen tatsächlich in der Lage sind, das Herz zu beeinflussen. Gerade anhaltender Stress, schlechter Schlaf oder innere Unruhe könnten das Herz-Kreislauf-System zusätzlich belasten. Viele Betroffene haben zudem häufiger bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder bewegen sich weniger, was das Risiko weiter erhöhen kann. Auch Entzündungen und starke körperliche Stressreaktionen werden als mögliche Erklärungen diskutiert.

Was das konkret bedeutet, ist noch nicht abschließend geklärt. Für Menschen mit psychischen Beschwerden könnte es jedoch sinnvoll sein, auch die Herzgesundheit im Blick zu behalten. In der Medizin stellt man sich die Frage, ob man Herzrisiken bei dieser Gruppe früher im Blick haben sollte.

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Keine sichere Aussage über Ursache und Folge möglich

Gleichzeitig hat die Untersuchung Grenzen. Die ausgewerteten Studien zeigen Zusammenhänge, erlauben aber keine sicheren Aussagen darüber, was Ursache und was Folge ist. Außerdem berücksichtigten die einbezogenen Studien nicht immer alle Einflüsse wie Lebensstil, Medikamente oder Vorerkrankungen.

Insgesamt legt die Analyse nahe, dass bestimmte psychische Erkrankungen häufiger mit akuten Herzproblemen auftreten. Das spricht dafür, psychische Gesundheit, Schlaf und körperliches Wohlbefinden stärker gemeinsam zu betrachten – ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen.

  1. DocCheck Flexikon. Akutes Koronarsyndrom. (aufgerufen am 05.02.2026) ↩︎
  2. Larsen, R. (2016). Akutes Koronarsyndrom (ACS) und akuter Myokardinfarkt. Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. PMCID. ↩︎
  3. Gupta, A., Tejpal, T., Seo, C. et al. (2026). Mental Disorders as a Risk Factor of Acute Coronary Syndrome: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Psychiatry. ↩︎

2026-02-06T09:56:42Z